The First Purge

Ich mag die Reihe. Trotz des missratenen ersten Teils.
Dystopische Actionfilme, die nie komplett trottelig oder gar ironisch daherkommen, vielmehr ihr Sujet ernst nehmen.
Nun also das Prequel.
Die Anfänge der Purge.
Der Auftakt ist vielversprechend. Arbeitslosigkeit, Gewalt, eine erodierende Gesellschaft. Die Lösung: Ein Experiment, das den Menschen die Freiheit gibt, ihre Wut zu kanalisieren. 
Schon hier könnte sich eine Diskussion eröffnen inwieweit solch ein Experiment auch real funktionieren könnte.
Was wäre wenn der Preis für Ordnung, Frieden, Sicherheit, im Gegenzug einen Tag im Jahr Chaos zu verbreiten?
James DeMonaco, der diesmal nur das Drehbuch schrieb konzentriert sich bewusst auf einen Kampf Schwarze gegen Weiße. Marginalisierte gegen Machthaber. Lässt die Purge auf Staten Island wüten. Ein Stadtteil bevölkert von den Verlierern einer turbokapitalistischen Gesellschaft.
Wer sich bereiterklärt an der Purge mitzumachen, erhält nicht nur Geld, für jeden Mord gibt es zusätzliche Anreize. Dafür werden den Probanden Kontaktlinsen eingesetzt, und verwandeln diese optisch in Untote. Marodierende Menschenmassen, mit hell leuchtenden Augen, getrieben von der Aussicht auf Geld. Immerhin Mangelware in dieser Bevölkerungsschicht.
Im Zentrum steht ein Drogenboss dem die Purge so gar nicht gefällt, kann er diese Gewalt doch nicht kontrollieren.
Als er ihr Schutz bieten will, lässt seine Ex den wichtigsten Satz fallen „“you destroy this community 364 days a year.”
Hier könnten sich interessante Argumente aufhängen, gut, es ist immer noch ein Actionfilm, dennoch bleibt die Frage, wie schlimm eine Nacht der Gewalt, während Verbrecher das ganz Jahr über eine Gesellschaft terrorisieren.
Ab da wird es allzu generisch und setzt auf Standardaction. Alles ordentlich und überzeugend. Als kleine Pointe, die leider nur Aufhänger bleibt und ein wenig konstruiert wirkt, gelangen vom Staat bezahlte weiße Söldner auf die Insel um die Purge zu einem Erfolg werden zu lassen. Je mehr Tote, desto besser, um die Purge zu etablieren. Und gegen diese darf dann der vor kurzem noch böse Drogenboss kämpfen. Als one man army. Als Black Panther, der sie plattmacht.
Das geht nicht mal mehr symbolhaft durch und wirkt nur noch absurd.
So bleibt der Film ambivalent in Erinnerung. Zum einen gewollt, aber auch durch die Unzulänglichkeit seine Ideen auszuformulieren.

Hereditary

Irgendwo da drin ist vielleicht sowas wie ein guter, wie ein interessanter Film. Das Endprodukt wie es vorliegt ist es nicht.
Es hätte ein Film über Verlust, über Verlustängste werden können, über Trauer und Verarbeitung. Wurde es nicht.
Ari Aster begnügt sich mit banalem Budenzauber, hat wohl selbst keine Idee was er eigentlich erzählen will.
Sind die Figuren noch stringent zueinander aufgebaut, ihr Verbindungen untereinander sind wirklich schön ausgearbeitet, vor allem Toni Colettes als Mutter die immer mehr einem vermeintlichem Wahn anheim fällt ist brillant gespielt und auch geschrieben. Dennoch stellt sich nie Empathie ein. Am ehesten noch für die kleine Tochter, die aber recht schnell den Kopf verliert.
Natürlich ist der Blick von außen gewollt, schon in der Eingangszene wird klar, man wohnt einem Schauspiel zu, das von höheren Mächten gesteuert wird.
Diesen Graben kann Aster nicht überbrücken.
Dazu ist seine Regie zu inkonstistent, er lässt Colette in Rage geraten um im nächsten Moment die Emotionen wieder einzufangen und sie so verpuffen zu lassen.
Es bilden sich einige eindrückliche Szenen, aber das richt bei weitem nicht für einen interessanten Film.
Die Frage die sich von beginn an stellt und auf die Aster keine Antwort gibt: Was will er mir eigentlich erzählen?
(Ann Dowd spielt mit, man ist also gewarnt, schließlich ist sie eine Garantie für banale Horrorfilmchen)

Altes Geld

Ich bin ein wenig übersättigt von den immer gleichen Geschichten über die vermeintlich oder tatsächlich korrupte, skrupellose und entrückte Hautevolee. Da macht „Altes Geld“ keine Ausnahme: Asozial sind sie, inzestuös, Altnazis sowieso. Aber auch hier ist das Kleinbürgertum natürlich nicht besser.
So gut, so langweilig.
Was die Serie allerdings ein wenig sehenswerter macht als Vergleichbares sind die Manierismen und das Artifizielles der Geschichte. Die Dialoge wirken wie gestelzt, entrückt vorgetragen.  Die Bildsprache ist konsequent statisch, selten wird der Mensch außerhalb seiner Umgebung dargestellt. Und nie alleine. Immer sind Freunde oder Feinde zugegegen. Ein wirkliches Gefühl der Ruhe, der Freiheit stellt sich für niemanden ein. Der latente Druck Dritter immer präsent. Das fördert den Aufbau eines eigenen Kosmos, der bewusst wenig mit der Realität zu tun hat, dadurch stehen Szenen außerhalb dieses Kosmos quer.  Dieser Bruch wird narrativ leider nicht elegant gelöst und so wirken diese Stränge wie Fremdkörper. Der zwar nur auf lediglich 8 Folgen konzipierte Serie, geht allerdings zur Hälfte die Luft aus und die eigentlich bemerkenswerte Umsetzung verkommt zum Selbstzweck.
Schad is des.

The Dinner

Ein schönes Essay über die Verlogenheit der Bourgeoisie.
Moverman macht das im Grunde recht clever, gibt er dem Zuschauer doch eine Figur an die Hand, die als Erzähler fungiert und schon lassen wir uns einlullen und seiner Agenda folgen. So beschreibt Stan seinen Bruder Paul als karrieresüchtigen „Affen“, der, so stellt uns Moverman ihn vor, wohl wirklich das kleine Arschloch zu sein scheint.
Doch lösen sich die Fronten im Verlauf immer weiter auf, kommen immer mehr Facetten zum Vorschein um am Ende nicht nur ein Mosaik zu vervollständigen, eher eine Kugel, die kein Anfang und auch kein Ende nimmt.
Manches mag arg plakativ sein, gerade wenn Stan Kriege metaphorisiert. Inklusive Besuch der Gettyburg Gedenkstätte.
Dennoch stellt Moverman die richtigen Fragen: Was würde man selbst, gerade als politisch liberaler Mensch tun, würden die eigenen Kinder eine schreckliche Tat begehen?
Wie weit geht die eigene Moral, ist das Blut wirklich dicker als Wasser?
Und wiegen viele gute Taten, eien schreckliche auf? Wer mag das aufrechnen? Da sind wir im Grunde schon beim Spirituellen, das zum Glück hier außen vor bleibt.

Formal mag Moverman nicht ganz elegant vorgehen, die Rückblenden, ebenso wie die Montagen sind eher holprig inszeniert, mögen den einen oder anderen sogar im Fluß stören, das mag man ihm aber nachsehen und diese Formalie dem Narrativ geschuldet sehen.

Ein Treppenwitz, dass gerade am heutigen Tag die BILD-Zeitung vielen als neues Sturmgeschütz gegen Zensur und für Demokratie erscheint.

Die Mumie

Nein, einfach nur nein. Die Mumie wird direkt nochmal getötet.
Dass Kurtzman sowohl als Autor und nun als Regisseur auf die Menschheit losgelassen wurde ist ein Verbrechen.
Er und sein Buddy Orci sind sogar schlimmer als Lindelof und Abrams. Die Mumie könnte locker als Direct-to-Video druchgehen. Aus den 90ern. Tom Cruise auf Remote und mit seinen Gedanken überall, aber nicht beim Film.
Annabelle Wallis steht in der gegend rum, mit der Austrahlung einer jahrtausenden alten Mumie. Warum Sofia Boutella und nicht sie die Mumie spielte, muss man nicht verstehen.
Auch sonst herrscht Verderben. Langweilig bis zum geht nicht mehr, keine Spannung, kein Charme, kein Esprit, nix. Nicht mal die Effekte sind ordentlich ausgeführt. Der komplette Film besteht ausschließlich aus Versatzstücken. Gesichter im Sandsturm. Tiere in Massen, sein es Spinnen oder Ratten die Menschen anfallen, der Zerfall der Mumie, der sich durch Löcher in der Haut darstellt.
Selbst darüber könnte man hinwegsehen, doch ist nicht ein Charakter dabei der auch nur den Hauch von Sympathie ausstrahlt. Leere Körper wohin man blickt. Passt zwar zum Thema, ist allerdings kontraproduktiv.
Und über 3D brauchen wir eh nicht reden.

Ein großes Nichts von einem Film.

You are wanted

Mal versucht, außer acht zu lassen, dass Schweighöfer die komplette kreative Kontrolle an sich gerissen hat, die lustigen Memes und Verrisse ebenso verdrängt, also weitestgehend unvoreingenommen in die Serie eingestiegen:
Es ist wahrlich eine Vollkatastrophe.

Geht los beim Look, der so bewusst düster gehalten ist, dagegen wirkt Nordkoera wie Disneyland.
Tageslicht wird ja überbewertet, ebenso ausreichende Beleuchtung in innenräumen, Atmosphäre per Holzhammer.
Die Figuren gehen nicht ein Jota über billige Stereotypen hinaus, das ganze Setting mit Überwachungskameras, Nachrichtensprechern, Aktivisten, vermeintlichen Bösewichten ist nicht nur nah an der Grenze zur Lächerlichkeit, die sind einen Schritt weiter.
Da sitzt der Matze in seiner Küche, kippt sich ne Red Bull rein, rauft sich durch die Haare, jongliert multitaskend mit Stift, Handy und Tablet.
Oder die Hacker, entschuldigung, Hacktivisten sitzen nicht einfach nur an Rechnern, das Ding mutet an wie das Innere eines Borgschiffes (natürlich wurde das, wo auch sonst, im C-Base) gedreht.
Wenn schon Klischee, dann richtig.
Der Vergleich zu Mr. Robot als Vorbild drängt sich zwar auf, läuft aber ins Leere, ist diese Serie zwar auch kein Ruhmesblatt für Amazon, doch kann sie zumindest mit ein bisschen Witz und Ideen aufwarten.
Schweighöfers Serie erinnert eher an eine zu lange Version von „Im Netz“ mit Caroline Peters, die ebenso peinlich, schlecht geschrieben und auch umgesetzt wurde.

Man könnte ja über all diese Fehler hinwegsehen, wäre das Ding wenigstens spannend. Aber nicht mal das. Schweighöfers Spiel ist so dermaßen stocksteif und oberflächlich, die einzige emotionale Bindung zu seiner Figur ist Hass.
Gleiches gilt leider auch für den Rest: Die Lara steht halt, wie immer in der Gegend rum, was Katrin Bauerfeind da zu suchen hat, weiß auch nur das Casting und Edin Hasanovic ist komplett unterfordert.
Diese internationalen Standards von denen Amazon spricht, können zumindest keine amerikanischen sein.
Eine Verschwendung von Zeit und Geld.

The Witch

Was wäre, wenn all die Mythen über Dämonen wahr wären, wenn Hexen so real wären wie der Baum im Wald oder der Regen der fällt?
Vor ein paar hundert Jahren, war genau dies real. Zumindest für die Menschen im 17ten Jahrhundert.
Robert Eggers nimmt sich diese Periode vor, um seine Geschichte über eine verstoßene Familie die vielleicht zu sehr ihrem calvinistischen Glauben anhängt.
Allein auf sich gestellt, auf einer kleinen Farm, verschwindet erst der Säugling, die Ernte verfault, aus Ziegeneutern kommt Blut statt Milch.
Mit jeder Saat die eingeht, wächst der Zweifel innerhalb der Familie, tritt die Bigotterie immer stärker zu Tage.
Ist ihr Glaube noch stark genug? Sind sie verflucht? Sind ihre eigenen Kinder besessen?
Betrachtet man das Leben dieser gottgläubigen Familie von außen ist das weit von jeglicher Liebe entfernt. Hass, Eifersucht, Niedertracht beherrschen die Stimmung. Abgeladen meist auf der ältesten Tochter die als Schuldige für all die Katastrophen ausgemacht wird. Doch Egggers verfällt nicht der Versuchung hier eine vermeintlichen Spannungsbogen oder einen Twist einzubauen. Von Beginn an ist klar: Ja, die Hexe gibt es wirklich. Und nicht nur sie ist die einzige Übernatürliche Kreatur. Der Teufel kommt in vielerlei Gestalt. Er nimmt sich alte Quellen und Aufzeichnungen zu Hexereien vor die er teils wortwörtlich als Dialoge einsetzt. Gerichtsverhandlungen (wenn man das damals so nennen konnte), aber auch Märchen europäischen Ursprungs finden sich wieder.  Er dekonstruiert die Fassade die sich auf einem vermeintlich christlich-religösem Fundament baut, die Liebe einfordert, aber nur Hass oder Abneigung erzeugt.  In solch einer Umgebung ist ein leichtes sei es Mensch oder Satan Zwietracht zu säen.  Er lässt am Ende die Frage offen, ob vielleicht die vermeintlich dunkle Seite, das eigentlich Böse nicht doch die wahre Erlösung sein kann. Das muss jeder für sich entscheiden. Eggers scheint seine Antwort gefunden zu haben.

Regression

Regression. Zurückversetzen in die eigene Kindheit durch Hypnose.
Dadurch sollen die Verwandten der in ihrer Kindheit durch eine satanische Sekte mißbrauchten Emily Watson die Wahrheit aufdecken helfen.
Nur doof, wenn immer mehr Fragen auftauchen, als Antworten gegeben werden. Erinnert stark an Primal Fear. Doch bleibt Regression komplett an der Oberfläche, Emily Watson wirkt wie ein Fremkörper, findet nie in ihre Rolle, Regie und vor allem Kamera agieren hölzern und fast gelangweilt. Lediglich Ethan Hawke versucht gegen das öde Drehbuch anzukämpfen. Aber ohne Erfolg.
Die Auflösung wird aus dem Hut gezaubert wie aus einer „Mord ist ihr Hobby“-Folge. Die Figuren bleiben alle im vagen, dabei wäre die Auseinandersetzung mit satanischen Ritualen durchaus spannend gewesen. Das Spiel zwischen Wahrnehmung und Wirklichkeit lädt gerade dazu ein, sich mit verschiedenen Realitäten auseinanderzusetzen. All das interessiert aber nicht.
Das ist nicht nur schade, das ist großer Mist, vor allem weil der Film sonst nichts zu bieten hat.

Star Trek (2009)

Ist der erste Film des reboots ein schlechter Film? Nein.
Ist es ein würdiger Nachfolger? Nein.

Im Grunde ist Star Trek ein Hybrid, einmal ein Film für Fans mit Hinweisen, Andeutungen und Verweisen auf die Originalserie. Das ist sogar charmant und teils witzig. Aber doch sehr konstruiert, nicht zuletzt mit der Verpflichtung Leonard Nimoys, mit dem Gedanken im Hinterkopf inszeniert die alten Fans zu befriedigen.

Der andere Teil stellt das junge Publikum zufrieden, auch mit den collen Sprüchen, den Actionszenen, den ordentlichen Effekten. Formal stimmt alles.
Doch wie so oft bei JJ Abrams und dem Katastrophen-Duo Orci und Kurtzman darf man nicht mal nur eine Sekunde innehalten und nachdenken was man da sieht auf der Leinwand. Das Script ist wieder mal eine Offenbarung an Ignoranz und Schlampigkeit.
Die Figuren sind stereotyp und oberflächlich ausgearbeitet, Szenen teils konstruiert, dass man sich fragt ob sie nicht bald die Naturgesetze außer Kraft setzen. Das Auftauchen von Leonard Nimoy lässt jeden Kaninchen aus dem Hut-Zauberer vor Schamesröte erblassen.
Und ja, das Thema mag durch sein, doch sind die Lensflares die Abrams so massiv einsetzt unglaublich störend.
Erwartbar war natürlich, dass weder Abrams noch Kurtzman oder Orci verstanden um was es in Star Trek geht, dass es eben nie die Weltraumschlachten waren die Star Trek auszeichneten. Wie gehen wir als Menschen miteinander um, die Reise die die Enterprise antrat war nur formal eine in die weiten des Raumes, inhaltlich immer eine zu uns selbst.
Der Zuschauer erhält 2 Stunden Action mit einigen Schauwerten und durchaus gut augelegten Schauspielern, soweit geht das in Ordnung. Der Trekkie erhät eine Aspirin für die Kopfschmerzen die nach dem Film auftreten.

Die Stadt und die Macht

Serien im allgemeinen, deutsche Serien im speziellen scheinen sich durch Logik, Realismus und Glaubwürdigkeit auszeichnen zu müssen. Ist natürlich kompletter Blödsinn. Keines der drei Attribute steht für irgendwas, geschweige denn kann als Qualitätsmerkmal gelten, nicht nur die Begriffsinherenten Inhalte, die allesamt subjektive sind und keine Naturgesetze.
Die Stadt und die Macht von Friedemann Fromm, der beim DDR-Drama „Weissensee“ als Autor und Regisseur fungiert, versucht Polit- und Familiendrama zu vereinen. Ein Vorbild ist klar „Borgen“, das andere „House of Cards“.
Und damit geht das Problem schon los.
Auch eine Politserie muss nicht realistisch sein, die muss nicht mal in real existierenden Staaten und Städten spielen (die beste Politserie der letzten Jahre war Battlestar Galactica, die Strukturen und Muster demokratischer Systeme aufzeigte und wie schnell diese in Faschismus umschlagen können).
Auch „House of Cards“ nutzt nur die Fassade des Politbetriebes um je nach Season Machtpositionen zu beschreiben, die so auch in jedem größeren Konzern Relevanz hätten.
„Borgen“ dagegen versucht sich bewusst an realen Stätten, halbdokumentarisch, bewusst detailreich um somit glaubwürdig zu wirken.
Ist nur leider komplett misslungen.
Das gleiche Problem hat auch die „Die Stadt und die Macht“:
Anna Loos die aufstrebende Politikerin die Bürgermeisterin von Berlin werden will, wird von Verlustängsten geplagt, muss gegen ihren mächtigen Vater opponieren, dazu macht ihr auch noch ein Bauskandal zu schaffen.
Das ist nicht mal Kitsch, das ist peinlich. Und nur zur Richtigstellung: ja, die meinen das ernst.
So geht das am laufenden Band, schrecklichste Dialoge, lässig ausgesprochen von schlimmsten Stereotypen, die dem dummen Zuschauer verdeutlichen sollen wie das so abgeht in Berlin. Und alles, wirklich alles wird im Dialog erklärt. Die Macht der Bilder beschränkt sich auf konventionelles, bloß keine Experimente, bloß nicht vermeintlich unangenehm auffallen.
Anna Loos schreit so sehr nach Bambi oder dem Fernsehpreis, ihre Darstellung nervt nach spätestens 20 Minuten. Jeder Satz schön mit Gefuchtel und Gestiken unterlegen, als würde sie Fliegen verscheuchen. Der Rest der Besetzung agiert nicht überzeugender. Zugegeben: viel kann man aus den Figuren nicht rausholen.
Einzig Martin Brambach als Spin Doctor ist so toll übertrieben, nur leider in der falschen Serie, „Die Stadt und die Macht“ ist kein „Kir Royal“, nicht mal ein „Großer Bellheim“ und Fromm kein Wedel.
Krimipart, Politpart und das Familiendrama sind gleichermaßen unausgegoren, oberflächlich und teils zum fremdschämen.
Es bleibt nicht mal eine Ambition. Gerne würde ich schreiben, es hapert an der einen oder anderen Stelle oder es wäre zu viel des Guten, aber da ist nichts, einfach nichts, was überzeugt, was auch nur annährend Lust macht weiter zu schauen, es ist eine Qual.
Eine deutsche Serie konnte in 2015 trotz dem Mangel an oben genannte Glaubwürdigkeit oder Logik: „Weinberg“. Bei weitem passt das nicht alles, aber man spürt das Herzblut der Macher, die eine konkrete Vorstellung von ihrer absurd-spaßigen Mystery-Thriller haben und das auch konsequent umsetzen.
„Die Stadt und die Macht“ lässt Herz und Hirn vermissen.