Jacques ist kein Menschenfreund, als Besitzer einer heruntergekommenen Bar, behandelt er seine Kunden schlecht, hat weder Freunde noch Familie, dafür aber Herzprobleme, Lucas wiederum ein naiver, grundgütiger Obdachloser, der unter einer Brücke in einem selbstgebauten verschlag aus Kartons lebt. Beide finden als Bettnachbarn im Krankenhaus zueinander, Jacques nimmt Lucas unter seine Fittiche in der Hoffnung
einen Nachfolger für seine Bar gefunden zu haben, versucht ihm die zu guten Manieren und seine Freundlichkeit aufzutreiben, allerdings mit mäßigem Erfolg. Die Dinge ändern sich, als Lucas eine Frau aufnimmt und das schon fragile Verhältnis erneut in Frage stellt.
Zynische Zeitgenossen würden Regisseur Dagur Kari in bestem nazideutsch Gutmenschentum unterstellen, bezieht er doch klar Stellung zwischen seinen beiden Figuren, die er fernab von Stereotypen agieren lässt. Mit großem Witz lässt er die beiden Welten aufeinander prallen, in der einen Ecke Brian Cox als missmutiges Ekel, der nur nach seinem Vorteil strebt, in der anderen Paul Dano als gutmütiger Loser.
Unschwer abzusehen, dass beide zueinander finden, jeder vom anderen ein Stückchen annimmt, doch ist der Weg dorthin ungemein unterhaltsam. Das liegt vor allem an dem, wie immer famosen Brian Cox und dem fast stoisch agierenden Paul Dano, beide bieten eine Präsenz die sofort Aufmerksamkeit erzeugt. Zugleich bietet die düstere Bar, mit ihren verschrobenen Gästen eine unmittelbar heimelige Atmosphäre in der man sich, zumindest als Zuschauer wohl fühlt.
Kari bietet ein Essay über das Gute im Menschen, über unerwartete Zusammenhänge und skurrile Personen, in all denen er grundsätzlich das Gute, das Liebenswerte findet, verpackt in stimmungsvolle Bilder ohne jemals in kitschige Gefilde abzudriften. Wer noch ein Herz besitzt, darf hier gerne vorbei schauen.