Dienstag, 8. September 2009
Science Fiction Filme mit ernsten Subtext stellten die letzten Jahre ja eher die Ausnahme am Kinomarkt dar, der Fokus lag auf leicht verdaubarer Kost, die vor allem den technischen Aspekt und den Erstkontakt mit Außerirdischen in den Vordergrund stellte. Da lag es fast nahe, dass Neill Blomkamps District 9 mit viel Vorschusslorbeeren bedacht wurde, versucht er doch zumindest einen politischen Kommentar abzugeben und sich von den üblichen Genrekonventionen ein wenig zu entfernen.
20 Jahre ist nun her, dass die Aliens in Johannesburg gestranded sind, seitdem leben 1,8 Millionen von ihnen unter kaum „menschenwürdigen“ Bedingungen in District 9. Eine Umsiedlung gut 250 Kilometer außerhalb Johannesburgs soll vordergründig bessere Lebensumstände generieren, dient im Kern aber nur einer Entschärfung des schwelenden Konflikts zwischen Menschen und Aliens, gefördert durch Sprachbarriere, Aggressivität und disparaten sozialen Gesellschaftsformen. Die Umsiedlung nimmt Multinational United, eine Art privater Sicherheitsdienst, die bisher vergeblich versuchte die außerirdische Technologie zu adaptieren, bei der Umsiedlung angeführt von Wikus van de Merwe, einem klischee- und vorurteilsbehafteten Bürokraten. Dass die Aktion nicht ganz unproblematisch über die Bühne gehen würde, war abzusehen, spätestens nachdem Wikus mit einem außerirdischen Erreger infiziert wird.Man weiß zunächst nicht ob Blomkamp seine Zuschauer für dumm hält, selbst naiv ist oder wirklich eine politische Allegorie auf Rassismus und Xeniphobie bekunden möchte. Zu offensichtlich der Vergleich zwischen Aliens und der schwarzen Bevölkerung zu Zeiten der Apartheid. Wikus der zunächst als Feind und Fremdkörper im Alien-Ghetto agiert, mutiert durch den Virus selbst zum Außerirdischen und findet sich schnell auf der vermeintlich falschen Seite wieder. Gerade die Methamorphose, die Katharsis, die Wikus durchmacht und zwischen den „Welten“ wandelt birgt ja ein ungemein großes Potential, das gerade durch die Mockumentary nicht nur Einblicke in Wikus' Empfinden, als auch eine mediale Auseinandersetzung verdient gehabt hätte. Die Entscheidung Blomkamps auf den Mockumentary-Stil zu setzen um eine gewisse Relevanz und Authenzität zu vermitteln erweist sich spätestens ab diesem Zeitpunkt als blosse Spielerei, die nicht konsequent umgesetzt wurde. Nicht nur hier zeigt er wenig Beharrlichkeit und verabschiedet sich dann schliesslich davon.Blomkamp negiert ab hier geradezu den bisherigen Verlauf und setzt nun auf blanke Action, die er zugegeben mehr als gekonnt und spannungsreich umsetzt, jeglichen Diskurs aber einfach fallen lässt.So plump Rassismus vordergründig verurteilt wird und man mit Wikus die andere Seite kennenlernt, so widersprüchlich gestaltet sich die Darstellung der Nigerianer, die als kannibalistisches, militaristisches und auch nicht besonders intelligentes Volk in Erscheinung treten, inhaltlich aber keine Rolle übernehmen. Ebenso bleibt die MNU ein abstraktes Gebilde, die zwar skrupellos Wikus' neue Fähigkeiten ausnutzt, sonst aber keine weitere Rolle zugedacht bekommt.Leider kann District 9 dem Genre weder neue Impukse geben, noch zeigt er sich selbst innovativ. Zu vorhersehbar gestaltet sich vor allem Wikus' Part, der am Ende seiner Verwandlung zum Außerirdischen komplett vollzogen hat, aber dennoch seine „menschlichen“ Züge bewahrt hat. Nach Blomkamps These sollten gerade diese nicht erhaltenswert erscheinen.Wie schon „The Dark Knight“ hinterlässt „District 9“ ein zunächst positives Bild, geschuldet einer konzentrierten Handlung und stringenten Umsetzung, hinterlässt aber zusehends einen schalen Beigeschmack.
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