Stanley Philipps ist wohl der mustergültige Republikaner mit US-Flagge vorm Haus, konservativer Lebenseinstellung und als Ex-Militär einer positiven Meinung zum Irakkrieg gesegnet. Nur allzu glücklich scheint Stanley nicht zu sein. Während seine Frau als Soldatin im Krieg an der Front kämpft (eine Rolle die eigentlich ihm zugeteilt war), bleibt ihm nur der Kampf mit den Töchtern um langes Aufbleiben, das richtige Frühstück und Schulnoten. Erschwerend kommt hinzu dass sein Verhältnis zu den Kindern eher distanzierten Natur ist.
Komplett aus der Bahn wirft Stanley die Nachricht des Todes seiner Frau, die während eines Einsatzes im Irak ums Leben kam. Weiß er kaum damit umzugehen, gelingt es ihm noch weniger die Kinder zu informieren, so dass er den einzig gangbaren Weg wählt: eine Flucht, getarnt als Reise zu einem Vergnügungspark, in der Hoffnung irgendwann, irgendwo und irgendwie den richtigen Moment zu finden. So begleitet man Stanley und die Kinder
auf einem Road Movie zu Enchanted Gardens, eine Reise die leider kein Vergnügen darstellt. John Cusack mag sich in einigen Filmen vom Image des RomCom-Darstellers abgenabelt haben, dennoch wird er meist mit Filmen wie Serendipity oder Must Love Dogs assoziiert. Spätestens nach Grace is Gone sollte sich das nun endgültig ändern. Sein Stanley agiert aufgrund aller mimischen Zurückhaltung wie ein verlorener Eisberg der die Kontrolle über sein Leben verloren hat und dem nur noch die Flucht bleibt um überhaupt noch eine Handlungsfähigkeit vorzutäuschen. Ein Mann den man weder sympathisch findet, noch Mitleid empfindet, zumindest auf den ersten Blick, doch angesichts des Verlustes seiner Frau zeigen sich schnell Risse in der unnahbaren Hülle. Diese Hülle stellt für Stanley selbst das größte Problem dar, die muss erstmal durchbrochen werden um seinen Mädchen die Wahrheit mitzuteilen. Cusack schafft es tatsächlich Stanley im Laufe des Films ein wenig mehr aufzutauen, und ihm gar mal richtige Emotionen zu entlocken um dann wieder in seinen Manierismus zu verfallen und dennoch ein Stückchen mehr von ihm preiszugeben. Je länger die Fahrt dauert, desto brüchiger wird Stanleys Panzer und ein fast schon liebenswerter Mensch kommt zum Vorschein und man wünscht diesem Mann, dass er die Kluft zwischen ihm und den Töchtern überwindet. Grace is Gone vermittelt nicht nur das Psychogramm der modernen Famile die mit Verlusten fertig werden muss, er bezieht auch ganz klar, wenn auch nicht in erster Linie, kritische Stellung zu Krieg im allgemeinen. Schließlich bleiben immer Familien zurück die mit den Verlusten des Krieges fertig werden müssen, ganz auf sich allein gestellt, ohne Hilfe, allein gelassen nach der persönlich überbrachten Botschaft des Todes eines Familienmitglieds. Ein kleiner, leiser, bedächtiger Film der von seinen herausragenden Darstellern lebt. Als gegen Ende Stanley und seine Töchter im Vergnügungspark ankommen murmelt er: „Mission accomplished“, ganz im Sinne George W. Bush der das Ende des Irakkriegs verkündete, beide wohl wissend, dass dies erst der Anfang ist.