Wieviele Menschen passen in einen Bentley Continental GT? Das ist eine der Fragen die sich nach Neil Marshalls neuem Film: „Doomsday“ auftun. Er selbst legte sich die Messlatte mit „The Descent“ schon selbst sehr hoch. Den wohl besten Horrorfilm der letzten 10,15 Jahre mal so einfach aufs Parkett zu werfen, setzt natürlich auch bestimmte Erwartungen frei. Begann „The Descent“ noch gemächlich bis die ultimative Hölle losbricht, hält sich Marshall nun gar nicht lange auf. Wer einen Actionfilm erwartet, bekommt ihn auch und das ganze 105 Minuten lang. Ein Virus bedroht Schottland und damit ganz Britannien, so daß man beschliesst Schottland zu Isolieren und eine Mauer errichtet, die England und Schottland trennt (für manche ja auch weniger Horror, als vielmehr Wunschdenken, nicht wahr Mr.Connery).
Nach 25 Jahren bricht das Virus erneut aus und Major Eden Sinclair (Rhona Mitra) wird mit einem Trupp ins Quaratänegebiet geschickt um ein Gegenmittel zu finden. Dieses Storygerüst ist nur Grundlage für Haarspalterei, auch wenn der ein oder andere Kopf noch dran hängt, für literweise Blut, massenweise fliegend, explodierende Körperteile und (natürlich) Plotholes aller Orten. Man kann „Doomsday“ so einiges vorwerfen. Inhaltlich ein Versatz aus „Mad Max III“, „Escape from NY“ und „28 Days later“, aber Marshall ließ sich schon bei „The Descent

„von den Klassikern des Horror inspirieren, hier nun eben Versatzstücke aus Actionklassikern. Marshall schafft es dennoch sich inhaltlich ernst zu nehmen, den Film als Ganzes aber mit einem grossen Augenzwinkern zu präsentieren. So existieren zwei verfeindete Parteien im schottischen Sicherheitsgebiet, die einen direkt aus Mad Max 3 eingeflogen, die anderen aus einem beliebigen Mittelalterschinken. Da thront Malcolm McDowell doch tatsächlich als Ritterfürst auf einem alten schottischen Schloss (auch wenn sich dies Grunderfahrung Masse dort anbietet) und entsagt fast allen modernen Errungenschaften, während sie die kannibalistischen Pseudeopunks bekriegen. Nicht genug ist der Premierminister indischer Abstammung, kann Rhona Mitra ihr künstliches Auge rausnehmen und somit gerne mal „um die Ecke“ schauen. Setzte „The Descent“ vor allem zu Beginn auf leise Töne, aus eine subtil, fast schon zurückhaltende Inszenierung, die auch ohne vordergründige Musikuntermalung auskommt steht „Doomsday“ dem diametral entgegen. Laut und lärmend kommt der Streifen daher, verlässt sich auf nichts, als auf seine rasante Action und knalligen Effekte. Manchmal beschleicht einem die Ahnung, die Handlung diene fast ausschließlich dazu seine Heldin als adäquaten Ersatz für die in Auszeit gegangene Villa Jovovich zu besetzen. Aber auch das schafft Doomsday ohne grosse Probleme. Ein Fast Food Filmchen vom Meisterkoch und dennoch, oder gerade deshalb ungemein unterhaltsam, aber Marshall kann ja auch nicht immer einen Genre-Meilenstein inszenieren. Zur Ausgangsfrage: es sind fünf: eine hinten, zwei vorne + zwei Kannibalen durchs Fenster.