Wenn es eine Figur gibt die Jason Statham auf den Leib geschrieben ist ist es die des wortkargen
Einzelgängers der seinen illegalen Job schnell und sauber löst. Als dieser gelinkt wird, gilt es für „Parker“ Rache zu nehmen. Das ist der Plot, auch hier passend zu Statham. Kurz und schnörkellos. So eindimensional die Figur des Parker ist, versteht es Regisseur Taylor Hackford das Maximum an Charaktertiefe herauszuholen. Im Gegensatz zum fast übermenschlichen „Jack Reacher“, der so gut wie keine Fallhöhe besitzt, somit vor allem Stereotypen bedient wird „Parker“ zumindest mit ein wenig Melancholie und Verletzlichkeit ausgestattet. Dessen Vorbilder liegen in den Filmen eines Charles Bronson oder Lee Marvin und nicht in aktuellen Bonds oder Jason Bourne. „Parker“ weist einige Schwächen auf, sei es die fehlende Spannungskurve, Hackford nimmt zu viel Tempo raus, Jennifer Lopez' Figur ist so unnötig wie ein Kropf und es fehlen einfach die von Statham erwartbaren one-liner. Kein wirklicher Mangel, dennoch
fällt es auf. Dennoch ist es Stathams bester Film seit langem, weildie Action stimmt, weil er sich nicht komplett unterfordert fühlt und dies auch zeigt. Sollte der Erstling erfolgreich, wird mit einem Sequel zu rechnen sein und dies wäre mir weitaus lieber willkommen als ein erneuter „Jack Reacher“.
Wenn Luis Guzman und Johnny Knoxville als letzte Bastion gegen schwerbewaffnete Bösewichte stehen, kann das nur schiefgehen, was ein Glück
bekleidet
Arnold Schwarzenegger seine erste Hauptrolle seit 2003 um das Gröbste aus dem Weg zu räumen. Offensichtlich angelehnt an Zinnemanns "High Noon", legt Jee-woon Kim wenig Wert auf Story oder Handlung, konzentriert sich auf oldschool Baller-Action, gesponsort von der Waffenindustrie und Chevrolet. Dem neuen Drogenbaron Gabriel Cortez, eigentlich in sicherer Verwahrung des FBI, gelingt die spektakuläre Flucht mit dem Ziel Mexiko. Was liegt näher sich eine Corvette ZR1 zu krallen und den Weg von Los Angeles Richtung Grenze per Auto zurückzulegen um dort über eine von seinen Helfern gebaute Brücke eine Schlucht zu überwinden um sich dem FBI zu entziehen. Klingt dämlich, ist es auch, leider fehlt das Bisschen Abgefucktheit um richtig cool zu wirken, es fehlen die im Gedächtnis bleibenden Actionszenen, die wenigen in den ersten 60 Minuten wirken fast wie beiläufig inszeniert oder nachträglich eingebaut um zumindest ein wenig Action auf die Leinwand zu bringen. Von einer Spannungskurve ganz zu schweigen, diese ist schlciht nicht vorhanden, weiß man doch eh wer am Ende den kürzeren zieht. Dennoch: The last Stand kommt wunderbar altmodisch daher, durch den Verzicht auf technische und optische Spielereien versprüht er den Charme der 80er Jahre. Dialoge und one-liner sind so trocken wie die mexikanische Wüste, mit einer Darstellerriege die sichtlich Spaß an ihren Auftritten hat bleiben am Ende vergnügliche 100 Minuten.
Mit "Crank" und "Crank 2" konnten die beiden Regisseure Mark Neveldine und Brian Taylor im Actiongenre massiv punkten. Nicht nur durch schnelle Schnitte, einer herausragende Choreographie und einem Tempo das seinesgleichen sucht konnte die Beiden gleich zwei Filme hervorbringen die maßgebend für das Genre sind. Da sollte sich "Gamer" naturgemäß nicht hinten anstellen müssen. Gerard Butler als Avatar der von seinem menschlichen Pendant in echten Computerspielen sein Leben riskieren muss, erfunden wurde das Spiel von Ken Castle (Michael C. Hall) der sich als Wunderkind und Genie multimedial feiern lässt. Wer 30 Runden überlebt darf sich über die Freiheit freuen. Der Plot erinnert stark an "Dead Race" inklusive einer Prise "1984" und medialer Kritik. Genau darin scheitern Taylor und Neveldine. Setzten sie bei Crank auf die Charismatik eines Jason Statham, der sich im Grund 90 Minuten durch die Stadt kloppen darf, mit Anleihen an Videospielen, läuft der ernste Subtext hier komplett ins Leere. Ein Gerard Butler hat nicht die Ausstrahlung eines Statham, eher einer abgestandenen Schrankwand, der Unterbau konterkariert die durchaus gelungenen Actionszenen, lenkt aber zu sehr vom Visuellen ab. So schwankt "Gamer" zwischen Gesellschaftskritik und heftiger Exploitation, das die Grundaussage ad absurdum führt. Zumindest bietet der Film eine der großen Fremdschäm-Momente der letzten Jahre: Michael C. Halls eh schon krude Performance wird mit einer marionettenhaften Tanzperformance zu "I got you under my skin" gekrönt.
Spätestens seit dem (berechtigten) Erfolg von Mord mit Aussicht haben regionale Komödien Konjunktur, das zeigt das ARD-Vorabendprogramm und nun der Kinofilm zur SWR-Serie. Dieser ist nichts anderes als das klassische Lustspiel von der Bühne auf die Leinwand gehoben. Zwei verfeindete schwäbische Dörfer streiten um den Verkauf ihrer Kirche, inklusive kapitalistischem Amerikaner, einem Schatz und allerhand skurriler Einwohner. Leider geht dem Film fast jeder subtile Witz verloren, zu sehr verlässt man sich auf den schlichten Witz inklusive Dialekt, der für Nicht-Einheimische anscheinend schon Komik genug beherbergt. Vorm Versanden der zu lang geratenen Story schützt nur das mit großen Spielfreude ausgestattete Ensemble, allen voran Natalie Wörner, Karoline Eichhorn und Julia Nachtmann, die mit viel Verve ihren Part versehen. Die Serie, mit neuen Darstellern, startet am 15.04. im SWR.
Jay Roachs Filme zeichnen sich generell nicht durch Subtilität aus. Gleiches gilt für Will Ferrell. Wenn sich die beiden nun den US Wahlkampf vor nehmen ist das Ergebnis vorhersehbar. Um es kurz zu machen: Das Ergebnis ist so platt wie unterhaltsam. Will Ferrell als demokratischer Senator der sich gegen einen unbedarften Neulingen zur Wehr setzen muss wirkt wie das Abziehbild eines typischen Politikers. Dumpf, oberflächlich, sexbesessen, dessen Ehe nur noch schöner Schein ist. Zach Galifianakis gibt den unbedarften Politneuling, der mit undurchsichtigen Hintermännern und viel Geld in den Politikzirkus geschmissen wird. Würde man den Wahlkampfverhalten und die mediale Aufbereitung nicht kennen, könnte man die Verhaltensweisen für absurde Übertreibungen halten, doch geht die Fiktion im Grunde kongruent mit der Wirklichkeit inklusive parodistischer und satirischer Angriffe unterhalb der Gürtellinie. Da werden Babys geschlagen, Bärtige als Islamisten tituliert, skurrile TV-Shows abgehalten. Höhepunkt: Die Diskussion um Ferrells Schulaufsatz aus der zweiten Klasse, in dem er laut Gegner den Kommunismus postuliert. Für eine rundum gelungene Satire driftet "The Campaign" zu oft und zu sehr in Slapstickgefilde ab, doch vielleicht ist der Weg den Roach geht genau der richtige um die Absurdität des Medienwahlkampf zu beschreiben.
Wenn sich russische Wissenschaftler und amerikanische Militärs zusammentun kommt selten was Gutes dabei heraus. So auch hier. Durch den Absturz einer russischen Raumstation gelangen mutierte Spinnen auf die Erde, vermehren sich wie die Karnickel und irgendwo kommt noch eine drei Häuserblocks große Mutterspinne her. Dass durchgeknallte Militärs diese Spinnen als potentielle Waffen gerne hätten, versteht sich von selbst, nur wie an die Spinneneier rankommen?
10 Tage verzogen sich Dänen von Efterklang in die Stadt Piramida auf Spitzbergen. Piramida ein russischer Außenposten auf Spitzbergen, die bis zu 1000 Einwohner förderten bis 1998 Kohle, danach wurden alle Einwohner auf das russische Festland verfrachtet. Für ihr neues Album suchten und sammelten sie Klänge und Töne, begleitet wurden die drei von Regisseur Andreas Koefed, der mit beeindruckenden Aufnahmen zurückkam, die über eine Musik(er)dokumentation hinausgehen. Aktuelle Aufnahmen wechseln sich mit Archivaufnahmen ab, unterlegt vom Kommentar einer der letzten Bewohner, der seinen Lebensabend nun in Moskau verbringt.
Regisseur Nikolaus Geyrhalters Dokumentation Abendland verrät schon im Titel seine Vieldeutigkeit. Europa als geographisch und politisches Gebilde, das seine Grenzen abschottet, als kulturelles Konstrukt , dessen "Abend" gekommen ist und schließlich als schlichte zeitliche Definition.
Russell Mulcahy mit erneut einem B-Movie der sich diesmal an den Film-Noir anlehnt.
Mit allem was dazugehört: Der femme fatale mit den roten Lippen, dem einsamen Helden, dem gesellschaftlich höher stehenden Bösewicht, dem Sarkasmus und den passenden one-linern.
Die ersten fünf Minuten sind das was man sich von Mulcahy erhofft und Lust auf Mehr machen: eine rasante Schießerei, die in einer Verfolgungsjagd mündet.
Das fügt sich formell alles gut zusammen, leider ohne allzu große Emotionen zu wecken. Zu distanziert agiert Thomas Jane in der Rolle des Malone, die Comicelemente nehmen Überhand, das ist schön anzusehen, ohne die Fallhöhe oder die Tragik des Film noir zu erreichen.
Selbst die geeignete Stimmung einzufangen gelingt Mulcahy diesmal nicht, seine große Stärke, in Highlander und Razorback zu bewundern, mit seinen stimmungsvollen und oft düsteren Bildern zur Atmosphäre beizutragen läuft hier völlig falsch. Der look entspricht eher dem eines TV-Formats als einem Leinwand füllenden Spielfilm. Und der Inhalt leider auch.