Gravity

Ray Bradbury, der große Humanist unter den Science Fiction Autoren, der sich mehr für die Menschen und ihre Reaktionen auf fremde Welten, fremde Wesen und ihre Beziehungen untereinander interessiert, der seinen Protagonisten immer mit großen Zuneigung, wenn nicht Liebe begegnete, veröffentlichte in seinem Band „Der illustrierte Band“ die Kurzgeschichte „Kaleidoskop“. Mehrere Astronauten treiben aufgrund eines Unglücks im All umher. Bradbury beschreibt die letzten Momente und ihre Konversationen. Ob Alfonso Cuarón und sein Sohn Jonas, der am Drehbuch mitschrieb, die Geschichte als Vorbild verwendeten ist nicht überliefert. Doch die Parallelen zu Bradbury selbst sind unübersehbar.
Nun sind es bei „Gravity“ zwei Astronauten die ums Überleben kämpfen, einen Weg zurück zur Erde zu finden, nachdem ihr Shuttle zerstört wurde. Erst nachdem James Cameron mit „Avatar“ den Weg freimachte, konnte Cuarón auch „Gravity“ umsetzen. Das Warten hat sich gelohnt. Einer der technisch brillantesten Filme seit Jahren und einer der wenigen Beispiel wie 3D doch funktionieren kann, doch geht es Cuarón nicht um die technische Komponente, sein Fokus liegt auf den Lebewesen in einer unwirtlichen Umgebung und den Extremen denen sie ausgesetzt sind. Nicht nur die ersten 20 Minuten sind atemberaubend und ziehen den Zuschauer sofort in den Bann. Die Kamerafahrten zwischen den Astronauten und ihrem Shuttle sind schlicht atemberaubend. Die ab und an ins Bild wandernde Erdkugel, deren Spiegelung in Helmen oder Pupillen, die große Leere davor und dahinter, hat förmlich physische Auswirkungen auf den Zuschauer.  Danach begibt sich Cuarons Story zwar auf konventionelle Pfade was Wendungen und Action anbelangt, die reichlich konstruiert erscheinen, dazu bedient er sich allzu offensichtlich Referenzen an Genreklassikern, mildern aber nicht im geringsten die Wirkung die er als Regisseur, Emmanuel Lubezki als Kameramann und voran Steven Price als Komponist entfalten. Gravity ist trotz aller Akkuratesse, trotz der technischen Fertigkeiten und des Aufwands den Regisseur Alfonso Cuarón an den Tag legt, kein Abbild einer realistischen Weltraummission.  Ein Actionthriller der visuell und akustisch neue Maßstäbe setzt, ohne sich dabei dem Diktat der Effekte unterzuordnen. Jede Sekunde wird man als Zuschauer weiter mitgerissen, emotional als auch physisch in den Überlebenskampf der Astronauten. Ein Film der Ambivalenzen, auf jeder Ebene. Lautlose und brachiale, mit Getöse unterfütterte Szenen die sich meisterhaft mischen und ergänzen, ruhige, melancholische Momente voller Traurigkeit und Stille. Die Schauspieler bleiben am Ende nur Staffage für die ästhetischen Vorstellungen, da bleibt der Film allerdings nur konsequent, denn was ist der Mensch da draußen im Weltall, außer einer kleinen unbedeutenden Ansammlung von Kohlenstoff. Am Ende bleibt ein seit langem nicht mehr erfahrener Mix aus Emotionen, schwankend zwischen Freude, Erschöpfung, Glück und auch Traurigkeit. Die Erkenntnis der Vergänglichkeit, der Begrenztheit, sowohl psychisch, als auch physisch und dass wir am Ende doch alleine sind. Nicht nur im All, auch für uns selbst die Verantwortung tragen müssen. Trotz all der Technik, all dem Aufwand den Cuaron betreibt, er zielt am Ende auf das Wesentliche: aufs Herz.
Und trifft mitten hinein.

 

 

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