In the Heart of the Sea

Ich mag Ron Howard nicht besonders, seine Filme sind meist oberflächlich, bieten außer der Hauptfigur wenig interessantere Charaktere, bleiben vorhersehbar und kalkuliert.
Teils trifft dies auch auf „In the Heart of the Sea“ zu, die Geschichte des Walfängers Essex, die Herman Melville zu Moby Dick inspirierte. Walfang war zu Beginn des 19ten Jahrhunderts notwendiges Übel um Öl zu gewinnen, weit entfernt von abenteuerlicher Verklärung, bedeutete es monate-, wenn nicht jahrelang auf See zuzubringen um genug Walöl zu gewinnen.
Erneut konzentriert sich Howard auf einen Charakter: den ersten Maat Owen Chase, erfahrener Seemann, der Bären oder Wale vermeintlich mit einem Griff tötet, doch die Befürchtung einen gewöhnlichen Abenteuerfilm zu sehen, zerschlägt sich recht schnell, interne Standeskonflikte, die ersten Toten, Drecksarbeiten an Deck erinnern weniger an den „Roten Korsaren“ als an „Master and Commander“.
Immer wieder wechselt die Perspektive, bewegt sich weg vom Schiffgeschehen und zeigt den Blick von unter Wasser: fremdartig, verschwommen. Die ersten Andeutungen einer Kreatur, der Verdeutlichung wie verloren der Mensch auf See doch ist.
Der weiße Wal, der natürlich noch namenlos ist, agiert nicht als bösartiges Monster, eher als Beschützer seiner Art, im Gegensatz zum Roman Melvilles verspürt der Wal eher Rachegelüste, als wäre es eine Obsession den Menschen nachzustellen. Eine Naturgewalt die Ausbeutung und das Abschlachten nicht ungesühnt lassen will.
Zunächst zerstört der Wal das Schiff, nach Wochen der Entbehrung, ohne Wasser und Essen, als die Mannschaft beginnt ihre toten Kameraden zu essen, wenn in ihnen fast nichts mehr menschliches ist, nur noch der Überlebenswille zählt, holt er sich die Rettungsboote. Schliesslich gestrandet auf einer einsamen Insel, ist nicht mehr viel übrig von den „Königen auf Erden“, wie der Kapitän die Menschen postuliert. Die letzte Reise mit notdürftig gezimmerten Booten erscheint der Wal erneut, als wollte er eine letzte Warnung von sich geben. Als sich Chase und der Wal Auge ins Auge blicken hat der Maat hat seine Lektionen in Demut gelernt. Ein erneuter Kampf kann nur verloren werden, zu klein und zu unbedeutend ist der Mensch. Und vielleicht schwingt auch so etwas wie Mitleid mit.
Howard gelingt der Spagat zwischen klassischem Abenteuerfilm und ökologischer Aussage, die ausnahmsweise mal nicht als Mittel zum Zweck dient. Wem seine Zuneigung gilt, steht nie in Frage, es sind nicht die standesdünkenden Menschen, die mit riesigen Schiffen auf Jagd gehen um ihre Energievorräte aufzufüllen.
Diesmal gibt es wenig zu beanstanden, sowohl visuell (sogar das 3D stört nicht)m als auch inhaltlich überrascht Ron Howard mit einem lange vermissten Abenteuer, das wahrlich keine Helden kennt, umso intensiver nachwirkt.