Ich seh, ich seh

Ambivalent.
Einerseits birgt er eine schöne Ästhetik, die sachlich, nüchtern die Bilder transportiert.
Inhaltlich wirft er die Frage nach Identitäten auf und was uns als Subjekt ausmacht, wie weit ist das eigene Ich dehnbar, bis wohin die Selbstverleugnung und wie ist die Außenwahrnehmung.
Die Prämisse ist wie bei Seidl üblich (auch wenn er nur produzierte, aber eine Frau ja Teil-Regie führte) interssant, das Reißbrett detailliert. Das Haus, einsam gelegen am Waldrand, die Fenster verdunkelt, ein in sich abgeschlossener Kosmos, der nur zweimal durchbrochen wird.
Auch das Innendesign: kphl, sachlich, fast irreal, wie aus dem Katalog, erst zum Ende, wenn das Leben weicht, gelangt erst Leben hinein.

Das größte Problem ist der Bruch zur Hälfte des Films, bleibt er im ersten Teil Psychogramm zweier Kinder, wird er dann unerträglich, das völlig ohne Not. Die Brutalität muss man nicht so zeigen, gerade wenn die inhaltliche Ebene grobschlächtiger wird.
Dazu kommen zwei grobe Schnitzer im Buch, die das Ergebnis ein wenig konterkarieren, das ist angesichts der Detailversessenheit ärgerlich.

Dennoch: vor allem danke der beiden Darsteller sehenswert, wenn auch nicht ganz überzeugend.