Near Dark

Wieder gesehen nach ca. 15 Jahren, geht wohl als Erstsichtung durch. Bigelows Quasi-Erstling erscheint wie ein großer schwarzer Rohdiamant.

Noch nicht ganz die Wucht der nächsten Filme, die Figuren auch nicht komplett ausgearbeitet, aber: einer DER Filme der 80er und wie alle guten Vampirfilme, losgelöst vom Mythos des bluttrinkenden Ungeheuers.
Als Neon-Western konzipiert, der die Frage aufwirft wieviel Menschlichkeit noch in uns steckt und wie weit wir gehen wollen um sie nicht zu verlieren.
Schon die ersten Minuten sind magisch: Wenn Adrian Pasdar und Jenny Wright (denen beide leider, leider die Karriere verwehrt blieb) sich zum ersten Mal treffen, in die Nacht hinausfahren, untermalt von Tangerine Dreams sphärischem Musikteppich, wird man sofort hineingezogen in deren Welt. Eine Welt die wenig glamourös erscheint und nichts mit der eines Christopher Lees zu tun hat, ein Überlebenskampf einer kleinen ausgestossenen Gruppe, der immer wieder Opfer fordert, in der Moral so wenig zählt wie ein Menschenleben. Dennoch bringt man Verständnis auf, jegliche Verurteilung wäre eine Überhöhung der eigenen Position und wer ist man schon um Grenzen zu definieren?
Der Showdown der vordergründig zwischen Vampir und Mensch verläuft ist am Ende nur einer der zwei Lebensentwürfe gegenüberstellt, aus denen ein Ausbrechen fast unmöglich erscheint. Bigelow gibt eine Möglichkeit vor, die erstmal banal erscheint: Liebe. Im Subtext verdeutlicht: ein Ausweg ist immer nur eine Entscheidung, die wir oft nicht selbst fällen können, deren Umstände sich nicht zwangsläufig beeinflussen lassen.

Viele sehen in Near Dark ja Bigelows besten Film, dem ich widerspreche, da Point Break oder auch Hurt Locker eine höhere fast physische Kraft ausstrahlen, aber das nur am Rande.
Unbestritten ein wegweisender Film, ohne den „Låt den rätte komma in“ oder „A Girl walks home alone at night“ kaum denkbar sind.