Nightcrawler

Wenn sich die Dunkelheit Bann bricht, fängt Lou Blooms Arbeit an, zunächst als Kleinkrimineller, dann als Unfallreporter der ohne Skrupel seine Videokamera auf die Opfer draufhält und in einem unmoralischen und skrupellosen Sender seinen idealen Abnehmer findet.

Nightcrawler ist aus mehrere Gründen sehenswert. Zunächst Gyllenhalls Figur Lou Bloom der nie in den Verdacht gelangt auch nur annährend sympathisch zu sein. Von der ersten bis zur letzten Minuten bleibt er ein zynisches, machtgeiles Arschloch. Getrieben von schneller, höher, weiter, die Bilder können nie schockierend genug sein, er überschreitet keine Grenze, er setzt selbst neue, wird vom reinen Dokumentaristen bis hin zum eigenen Akteur, der sprichwörtlich über Leichen geht.
Gilroy erzählt von der Obsession eines Business, das längst jegliche moralische Bedenken abgelegt hat, im Grunde ein update von Sidney Lumets „Network“, angepasst an die heutige Zeit und noch perfider. Wer als erster am Unfallort ist, wer dort die blutigsten uznd schockierendsten Bilder liefert gewinnt am Ende den Platz in den Nachrichten, denen wenig an Information, aber viel an Quote und dem Aufbauschen gelegen ist.
Nightcrawler erzählt natürlich nichts neues, das Geschäft mit News war schon immer schmutzig,  er lässt den Zuschauer in seiner Geschichte zwar außen vor, entlässt ihn aber nicht aus der Verantwortung, ist dieser doch das letzte und erste Glied der Kette, als Konsument und Auftraggeber goutiert er zumindest diese Art News. Gilroy vermeidet jeglichen moralischen Zeigefinger, kostümiert seine Kritik als Thriller, ohne sein Thema aus den Augen zu verlieren. Ihm reicht die Figur des Bloom um alle Abscheulichkeiten stellvertretend auf ihn zu projizieren. Unterstützend wirkt Robert Eswitts Kameraarbeit: Nahaufnahmen, Steadycams, teils schnelle Schnitte, diese erzeugen einen Sog, der immer weiter in Blooms Arbeit hineinzieht, bietet sie doch spannende Abwechslung. Doch er bleibt bis zum Schluss die Ambivalenz des Zuschauers. Man möchte immer mehr sehen, trotz der bekannten moralischen Bedenken und die Abscheu die man gegen Bloom hegt.
Am Ende wird Gilroy keineswegs versöhnlich. Im Gegenteil. Bloom wird weder gestoppt, noch gibt er auf, stattdessen baut er sein Geschäft weiter aus. Das Rad dreht sich somit noch schneller. ein Überdrehen ist nicht auszumachen.