Weinberg

Außerhalb des Dreiklangs aus Comedy, Krimi und Romanzen hat es die deutsche Serie schon schwer, gerade im Genreumfeld. Dass sich ausgerechnet ein kleiner Sender wie TNT da ran traut lässt sich kaum hoch genug bewerten. Mit „Weinberg“ vermengen die Autoren Arne Nolting und Jan Martin Scharf (Alarm für Cobra 11, Friesland, Der letzte Bulle) zusammen mit Produzent Philipp G. Steffens Krimi, Mystery, Drama und einer guten Portion Soap. Twin Peaks meets Lindenstrasse.

Bereits optisch, mit den entsättigten Farben, den close ups, dem immer präsenten Nebel hebt sich Weinberg vom bunten deutschen Einheitsbrei ab, konterkariert wird die schöne Optik durch teils Dialoge die selbst bei GZSZ nicht durchkämen, als Sahnehäubchen gibt’s dann skurrile Figuren: ein vietnamesischer Pfarrer, der kaum Deutsch spricht, ein Junge der überhaupt nie spricht, außer mit dem „Helden“, hintergangene Männer und frustrierte Ehefrauen, als Krönung der Mann ohne Gedächtnis, der den Mord an einer jungen Frau voraussagt und diesen nun aufklären möchte.
Friedrich Mücke spielt den Mann ohne Eigenschaften, aber mit kriminalistischem Gespür so angestrengt als müsste er dauernd aufs Klo,ist zudem immer gerade dort wo irgendwas passiert, als wäre das Örtchen in der Pfalz nur 200 qm groß. Der Rest des Ensembles steht dem kaum nach, alles ein wenig over the top und kaum ernst zu nehmen. Doch gerade deshalb macht die Serie so einen Spaß, das Bühnenhafte, das
Artifiziell, das jede Sekunde zum Vorschein tritt, die Überdrehtheit ist schlicht große Unterhaltung. Im Mittelteil der Serie ist ein wenig die Luft raus, das Tempo wird reduziert, vieles wiederholt sich, die Auflösung oft nicht voran getrieben.
„Weinberg“ ist wahrlich nicht perfekt, doch ist der Mut der Macher und des Senders, neues auszuprobieren eine Empfehlung wert.
Vielleicht lassen sich andere Sender dadurch inspirieren sich mal wieder auf neue Formate einzulassen und nicht immer dieselben Geschichte in unzähligen Varianten durch den Filmwolf zu drehen.

 

Spring

Nach Resolution war abzusehen, Spring wird nicht die gewöhnliche (Horror)Liebesgeschichte.
Louis und Evan lernen sich in Italien kennen und lieben, kleines Problem: Louis ist nicht das nette Mädchen von nebenan, 2000 Jahre alt, verwandelt sie sich in ein zeitweise sprichwörtlich fleischfressendes Monster.

Behandelte Resolution noch das Thema Wahrnehmung, Realitäten und wie diese verschoben werden können, stellt Spring Identitäten und das Konzept von „Liebe“ in Frage.
Durchzogen wird der Film von Zweideutigkeiten, eingefangen in kleinen feinen Zwischenbildern. Eine Spinne die ihre Beute frisst, Raupen die versuchen einen Stein zu erklimmen, Bäume die zwei Früchte tragen. Die Zuneigung einerseits zur Natur und deren Universalität, das Mitgefühl mit Louis‘ „Problematik“ sich überwinden zu müssen um der Verwandlung stand zu halten.
Moorhead und Jenson haben ihren Barker und Bradbury gelesen und verstanden. Das Außergewöhnliche wird nicht verteufelt, so abstoßend dessen Handlungen auch sein mögen. Im Gegenteil verstehen sie den Kampf ihrer Protagonistin, bringen ihr Verständnis und Mitgefühl entgegen.
Nadia Hilker setzt die Vorgaben der beiden auf den Punkt um, wandelt zwischen lebensfroher Frau, die die seltenen Momente der Zweisamkeit genießt und unontrollierbarer Kreatur, die nur ihren Instinkten gehorcht. Zusammen mit Lou Taylor Pucci entfalten sie eine Chemie die gerade im Horrorgenre lang vermisst wurde.
Die universelle Frage wie wir mit Liebe umgehen, wem wir sie zuteil werden lassen, wie wir dies beeinflußen können, oder eben nicht, kann Spring nicht beantworten, will es auch nicht, zeigt aber eine von vielen Möglichkeiten. Ein Bekenntnis zu Liebe die keiner Körperlichkeit entspringt, die auf Formen keine Rücksicht nimmt, dazu hat Spring eine Meinung.

In Zeiten in den man glaubt wirklich alles gesehen zu haben, fühlt sich Spring einzigartig an, beweist dass es immer noch möglich ist, abseits des Mainstreams, Filme zu gestalten die wirklich neues bieten, die genreübergreifend funktionieren.

Ein kleiner, großer Film.

Near Dark

Wieder gesehen nach ca. 15 Jahren, geht wohl als Erstsichtung durch. Bigelows Quasi-Erstling erscheint wie ein großer schwarzer Rohdiamant.

Noch nicht ganz die Wucht der nächsten Filme, die Figuren auch nicht komplett ausgearbeitet, aber: einer DER Filme der 80er und wie alle guten Vampirfilme, losgelöst vom Mythos des bluttrinkenden Ungeheuers.
Als Neon-Western konzipiert, der die Frage aufwirft wieviel Menschlichkeit noch in uns steckt und wie weit wir gehen wollen um sie nicht zu verlieren.
Schon die ersten Minuten sind magisch: Wenn Adrian Pasdar und Jenny Wright (denen beide leider, leider die Karriere verwehrt blieb) sich zum ersten Mal treffen, in die Nacht hinausfahren, untermalt von Tangerine Dreams sphärischem Musikteppich, wird man sofort hineingezogen in deren Welt. Eine Welt die wenig glamourös erscheint und nichts mit der eines Christopher Lees zu tun hat, ein Überlebenskampf einer kleinen ausgestossenen Gruppe, der immer wieder Opfer fordert, in der Moral so wenig zählt wie ein Menschenleben. Dennoch bringt man Verständnis auf, jegliche Verurteilung wäre eine Überhöhung der eigenen Position und wer ist man schon um Grenzen zu definieren?
Der Showdown der vordergründig zwischen Vampir und Mensch verläuft ist am Ende nur einer der zwei Lebensentwürfe gegenüberstellt, aus denen ein Ausbrechen fast unmöglich erscheint. Bigelow gibt eine Möglichkeit vor, die erstmal banal erscheint: Liebe. Im Subtext verdeutlicht: ein Ausweg ist immer nur eine Entscheidung, die wir oft nicht selbst fällen können, deren Umstände sich nicht zwangsläufig beeinflussen lassen.

Viele sehen in Near Dark ja Bigelows besten Film, dem ich widerspreche, da Point Break oder auch Hurt Locker eine höhere fast physische Kraft ausstrahlen, aber das nur am Rande.
Unbestritten ein wegweisender Film, ohne den „Låt den rätte komma in“ oder „A Girl walks home alone at night“ kaum denkbar sind.

Ich seh, ich seh

Ambivalent.
Einerseits birgt er eine schöne Ästhetik, die sachlich, nüchtern die Bilder transportiert.
Inhaltlich wirft er die Frage nach Identitäten auf und was uns als Subjekt ausmacht, wie weit ist das eigene Ich dehnbar, bis wohin die Selbstverleugnung und wie ist die Außenwahrnehmung.
Die Prämisse ist wie bei Seidl üblich (auch wenn er nur produzierte, aber eine Frau ja Teil-Regie führte) interssant, das Reißbrett detailliert. Das Haus, einsam gelegen am Waldrand, die Fenster verdunkelt, ein in sich abgeschlossener Kosmos, der nur zweimal durchbrochen wird.
Auch das Innendesign: kphl, sachlich, fast irreal, wie aus dem Katalog, erst zum Ende, wenn das Leben weicht, gelangt erst Leben hinein.

Das größte Problem ist der Bruch zur Hälfte des Films, bleibt er im ersten Teil Psychogramm zweier Kinder, wird er dann unerträglich, das völlig ohne Not. Die Brutalität muss man nicht so zeigen, gerade wenn die inhaltliche Ebene grobschlächtiger wird.
Dazu kommen zwei grobe Schnitzer im Buch, die das Ergebnis ein wenig konterkarieren, das ist angesichts der Detailversessenheit ärgerlich.

Dennoch: vor allem danke der beiden Darsteller sehenswert, wenn auch nicht ganz überzeugend.

Jurassic World

Leider ohne Meersaurier, somit natürlich eine vertane Chance: Jurassic World.

Einerseits kurzweilig, mit einige Referenzen an das Original, aber auch hölzerne Charaktere und Darsteller ohne Charisma. Anstatt Pratt hätte man auch einen Baumstamm nehmen können und Jessica Chastain war nie egaler.
Neben dem Indominus Rex verblasst D’Onoforio als schäbiger Bösewicht. Somit drehte sich alles um den Ausbruch des bösen Dinos, der aber auch irgendwie egal war. Ja böse und tötet zum Spaß. Doch im Gegensatz zum T-Rex aus dem Original wird ihm wenig Liebe zuteil.

Verwundert hat mich die teilsweise Schlampigkeit der Produktion. Der Cutter gehört von Raptoren zerfetzt, eine Continutiy ist schlicht nicht vorhanden, es sei denn die haben auch das Beamen erfunden, da wird fröhlich durch den Park gespungen als wäre dieser gerade mal 1000 qm groß, die Raptoren sind eigentlich überall, wie sie von A nach B kommen: who cares?!
Das sind zumindest die wahren Hauptdarsteller: die Raptoren, die vom Wesen eher als Hunde ausgelegt waren, mit einem Gedächtnis, einer Aversion gegen bestimmte Menschen und natürlich der Bindung zu ihrem Alpha-Männchen.
Nur war die Screentime leider viel zu kurz um den Film zu retten, um mehr zu sein als 120 Minuten Unterhaltung deren Halbwertzeit diese Dauer nicht übersteigt.

Es bringt halt nichts Regisseure nach einem Indiehit ein 150 Millionen Dollar Budget in die Hand zu drücken.
Matt Reeves anyone? Josh Trank anyone?
Gareth Edwards anyone?
Es kommt nur seelenlose Massenware raus, was verständlich ist, wer will schon für einen
Flop verantwortlich zeichnen?

Nightcrawler

Wenn sich die Dunkelheit Bann bricht, fängt Lou Blooms Arbeit an, zunächst als Kleinkrimineller, dann als Unfallreporter der ohne Skrupel seine Videokamera auf die Opfer draufhält und in einem unmoralischen und skrupellosen Sender seinen idealen Abnehmer findet.

Nightcrawler ist aus mehrere Gründen sehenswert. Zunächst Gyllenhalls Figur Lou Bloom der nie in den Verdacht gelangt auch nur annährend sympathisch zu sein. Von der ersten bis zur letzten Minuten bleibt er ein zynisches, machtgeiles Arschloch. Getrieben von schneller, höher, weiter, die Bilder können nie schockierend genug sein, er überschreitet keine Grenze, er setzt selbst neue, wird vom reinen Dokumentaristen bis hin zum eigenen Akteur, der sprichwörtlich über Leichen geht.
Gilroy erzählt von der Obsession eines Business, das längst jegliche moralische Bedenken abgelegt hat, im Grunde ein update von Sidney Lumets „Network“, angepasst an die heutige Zeit und noch perfider. Wer als erster am Unfallort ist, wer dort die blutigsten uznd schockierendsten Bilder liefert gewinnt am Ende den Platz in den Nachrichten, denen wenig an Information, aber viel an Quote und dem Aufbauschen gelegen ist.
Nightcrawler erzählt natürlich nichts neues, das Geschäft mit News war schon immer schmutzig,  er lässt den Zuschauer in seiner Geschichte zwar außen vor, entlässt ihn aber nicht aus der Verantwortung, ist dieser doch das letzte und erste Glied der Kette, als Konsument und Auftraggeber goutiert er zumindest diese Art News. Gilroy vermeidet jeglichen moralischen Zeigefinger, kostümiert seine Kritik als Thriller, ohne sein Thema aus den Augen zu verlieren. Ihm reicht die Figur des Bloom um alle Abscheulichkeiten stellvertretend auf ihn zu projizieren. Unterstützend wirkt Robert Eswitts Kameraarbeit: Nahaufnahmen, Steadycams, teils schnelle Schnitte, diese erzeugen einen Sog, der immer weiter in Blooms Arbeit hineinzieht, bietet sie doch spannende Abwechslung. Doch er bleibt bis zum Schluss die Ambivalenz des Zuschauers. Man möchte immer mehr sehen, trotz der bekannten moralischen Bedenken und die Abscheu die man gegen Bloom hegt.
Am Ende wird Gilroy keineswegs versöhnlich. Im Gegenteil. Bloom wird weder gestoppt, noch gibt er auf, stattdessen baut er sein Geschäft weiter aus. Das Rad dreht sich somit noch schneller. ein Überdrehen ist nicht auszumachen.

 

The Midnight After

Vor 10 Jahren ging Lost auf Sendung, eine Serie die Maßstäbe setzte: in Sachen schlampige Figuren und wirrem  Drehbuch, vor allem bezeichnend wenn Autoren sowohl überfordert sind und im Laufe der Zeit die Lust an ihrer Produktion verlieren.
Ein ähnliches Problem hat The Midnight After.
Bis auf eine kleine Gruppe, scheint Hing Kong komplett ausgestorben, neben sporadisch auftauchenden Männern in schwarzen Mänteln und Gasmasken. Dazu gesellt sich eine Epidemie, die Menschen recht unappetitlich dahinrafft.
Fruit Chans Problem ist wie oben angemerkt, er weiß selbst nicht so recht was er mit den Überlebenden anstellen soll, so schwankt er zwischen Horror, Mystery, Comedy und Drama. Wird aber keinem Genre wirklich gerecht.
Einige schöne und lustige Sequenzen, wechseln sich ab mit kruden Schnitten. Eben noch die Trauer über den Vergewaltigungstod einer jungen Frau, bringt die nächste Szene wieder krude Gags. Figuren werden aufgebaut, dann aber wie heiße Wan Tans fallen gelassen. Chan geizt nicht mit Hinweisen, seine Gschichte voranzutreiben, bis ihm nach 2/3 anscheinend die Ideen ausgehen, er irgendwelche Bilder auf die Leinwand zaubert, die fast nichts mit den 90 vorangegangen Minuten zu tun haben. Erst nimmt er seine Figuren ernst, gibt er diese später der Lächerlichkeit preis. Warum sich dann die Mühe überhaupt eine Geschichte erzählen zu wollen? Für ein krudes Genrestück ist The Midnight After zu konventionell, wenig konsequent dazu. Der Schluss ist eine Frechheit, wahrscheinlich hatte das Team keine Lust mehr oder sie mussten mal aufs Klo.
Im Grund ein großes Ärgernis.

The Invitation

„That’s Los Angeles“ Die Antwort auf die Frage, ob das Verhalten der Gastgeber einem Gast der Dinner Party nicht seltsam vorkäme. Es muss wohl erst einiges passieren bis der Westküstenbewohner aus dem Häuschen gerät und sich aufschrecken lässt. Ungewöhnliches Verhalten bei einem Abendessen gehört auf jeden Fall nicht dazu.
Eingeladen sind die engsten Freunde von Eden und David, unter anderem auch Will, Edens Ex, mit dem sie ein Kind hatte, dass durch einen Unfall verstarb. Die auffällig gute Laune Edens erklärt sich durch die Zugehörigkeit zu einer Sekte die vergangene Krisen durch ein Gemeinschaftsgefühl und den Ausblick in die Zukunft zu bewältigen versucht.Regisseurin Karyn Kusama, die für Aeon Flux, als auch für Girlfight verantwortlich zeichnete, lotst recht geschickt die Grenzen zwischen Paranoia und Wirklichkeit aus, wobei die Grenzen sich ständig verschieben. Zunächst ist The Invitation ein Kommentar zur Lage der upper middle class und ihrer first world problems. Leicht beeinflussbar, gutgläubig, oberflächlich, selbstbezogen. 
Die Figuren bleiben allesamt vage gezeichnet, wenig wird preisgegeben, dennoch gerade genug, um sie ernst zu nehmen, sie glaubhaft zu gestalten.
Kasuma bietet im weiteren Verlauf immer wieder kleine und kleinste Hinweisen, die zur Auflösung dieser kleinen Dinner Party führen. Doch genau hier liegt auch einer der Schwachpunkte, zu willkürlich, zu wenig durchdacht wirken diese, oftmals sind es nur Andeutungen, die sich auch gegen Ende nicht zu einem Bild zusammenfügen wollen. Der spannendste Aspekt, die Auswirkungen von Sekten auf die Persönlichkeit, die bis hin zur Selbstaufgabe führen bleiben unterbelichtet.
Der zweite Punkt: das Ende. Wirkt inszenatorisch wie ein Fremdkörper, als wäre die Ideen ausgegangen, die Story vernünftig zu Ende zu bringen, stattdessen regieren nun Gewalt und Action,
konterkariert damit die vorangegangen Minuten, die ruhig, fast behäbig, eine kammerspielartige Stimmung aufbauen.
Dennoch ist The Invitation kein Reinfall, die bedrückende Stimmung, das gute Ensemble, allen voran Michael Huisman, Logan Marshall-Gree und Tammy Blanchard bieten gute spannende Unterhaltung. Leider aber auch nicht mehr.

Deathgasm

Death to fake metal!

Brodie ist die Art Schüler die von Ferris Bueller gemobbt worden wäre: Heavy Metal-Fan, schlacksig, Kuttenträger, lange Haare. Als Loser freut er sich natürlich als er die Noten zur „Black Hymn“ in die Gitarrenfinger bekommt, vesprechen diese doch unendliche Macht. Klappt natürlich nicht, stattdessen wird ein Demon beschworen, der die Ankunft Satans vorbereiten soll. Ganz nebenbei werden alle Menschen zu blutrünstigen Monstern.
Wenn sich Special Effects Experten auf den Regiestuhl schwingen kommt dabei meist nichts vernünftiges raus. Zu sehr liegt der Fokus eben auf den Effekten, doch Jason Lei Howden weiß sich zu zügeln, bietet weit mehr als ein tumbes FX-Feuerwerk.
Und ja, das Blut spritzt in Hunderten von Litern, die Effekte sind schön handgemacht, die Eingeweide quellen nur so hervor, es ist eine helle Freude für den Splatterfreund.
Doch damit nicht genug. Howden beweist ein Händchen für Situationskomik, die den Film über den Durchschnitt heben. Bei weitem zündet nicht jeder Gag, doch überdurschnittlich viele, gerade die Seitenhiebe auf die Metalszene sind detailiert und zeugen von Kenntnis des Sujets.
Die Darsteller sind nicht sonderlich talentiert, die Story unausgegoren, all das stört aber nicht. Howden legte so viel Liebe und Leidenschaft in seinen Erstling, der vor allem für Metalheads ein Fest ist.

Tale of Tales

Liebe, Tod, Vergänglichkeit. Die klassischen und großen Menschheitsthemen, die auch immer wieder Sujets aller klassischen Märchen waren, nimmt sich Matteo Garrone als Vorlage um drei Geschichten zu erzählen die miteinander nur sehr lose verbunden sind, zudem alternierend erzählt werden:
Die Königin die alles darum gibt endlich ein Kind zu gebären, der König der eine Obsession für junge Mädchen pflegt und ein weiterer Herrscher der seine Tochter an einen Oger verheiratet.

Garrone wiedersteht der Versuchung seine Bilder zu opulent auszustatten, sich zu sehr auf die Macht der Bilder zu verlassen, so bietet er zwar reichlich phantastische Figuren und Landschaften, allerdings ohne diese zu sehr auszureizen, baut diese fast nebensächlich ein, als wären sie alltägliche Erscheinungen. Sein Fokus richtet sich auf die gestörten Verhältnisse seiner Protagonisten, die Mutter die ihren Sohn zu verlieren droht, der Vater der seine Tochter schon verloren hat, diese ins Unglück stürzte, schliesslich der sexgeile König der nur an Äußerlichkeiten interessiert ist. Die moralischen Lehren bleiben zum Glück recht vage: Wenn Liebe zu erdrücken vermag, hilft am Ende sich selbst zu opfern, Vergänglichkeit lässt sich vielleicht aufschieben, aber nie aufhalten. Ohne moralischen Zeigefinger interpretiert Garrone die Märchen neu, spielt mit ihnen, baut sie aus, stellt ihnen phantastische Bilder anbei.
Am herausstechendsten bleibt die Geschichte um die Tochter einer Herrschers in Erinnerung, die sich nichts sehnlicher als einen Ehemann wünscht. Nach langem Zögern willigt der König in einen Wettbewerb ein, den schliesslich ein nicht allzuschöner Oger gewinnt.
Das Mädchen zunächst noch kindlich unsicher, reift in der kurzen Zeit mit dem Oger und der Flucht von ihm zur Frau, die am Ende den Thron besteigt. Ganz ohne männliches Anhängsel. Man muss nicht soweit gehen um als Kommentar zur Unabhängigkeit der Frau zu verstehen, doch konterkariert er das übliche Klischee der Prinzessin die gefälligst neben einem König gut auszusehen habe.

Tale of Tales bietet bei weitem nicht die Schauwerte eines Lord of the Rings oder Game of Thrones, bleibt aber weit länger im Gedächtnis, weil Garrone sich traut nicht alles zu zeigen, selbst bei einem wahrlichen Fantasyfilm dem Zuschauer viel Raum zur eigenen Imagination zu lassen.