Die Stadt und die Macht

Serien im allgemeinen, deutsche Serien im speziellen scheinen sich durch Logik, Realismus und Glaubwürdigkeit auszeichnen zu müssen. Ist natürlich kompletter Blödsinn. Keines der drei Attribute steht für irgendwas, geschweige denn kann als Qualitätsmerkmal gelten, nicht nur die Begriffsinherenten Inhalte, die allesamt subjektive sind und keine Naturgesetze.
Die Stadt und die Macht von Friedemann Fromm, der beim DDR-Drama „Weissensee“ als Autor und Regisseur fungiert, versucht Polit- und Familiendrama zu vereinen. Ein Vorbild ist klar „Borgen“, das andere „House of Cards“.
Und damit geht das Problem schon los.
Auch eine Politserie muss nicht realistisch sein, die muss nicht mal in real existierenden Staaten und Städten spielen (die beste Politserie der letzten Jahre war Battlestar Galactica, die Strukturen und Muster demokratischer Systeme aufzeigte und wie schnell diese in Faschismus umschlagen können).
Auch „House of Cards“ nutzt nur die Fassade des Politbetriebes um je nach Season Machtpositionen zu beschreiben, die so auch in jedem größeren Konzern Relevanz hätten.
„Borgen“ dagegen versucht sich bewusst an realen Stätten, halbdokumentarisch, bewusst detailreich um somit glaubwürdig zu wirken.
Ist nur leider komplett misslungen.
Das gleiche Problem hat auch die „Die Stadt und die Macht“:
Anna Loos die aufstrebende Politikerin die Bürgermeisterin von Berlin werden will, wird von Verlustängsten geplagt, muss gegen ihren mächtigen Vater opponieren, dazu macht ihr auch noch ein Bauskandal zu schaffen.
Das ist nicht mal Kitsch, das ist peinlich. Und nur zur Richtigstellung: ja, die meinen das ernst.
So geht das am laufenden Band, schrecklichste Dialoge, lässig ausgesprochen von schlimmsten Stereotypen, die dem dummen Zuschauer verdeutlichen sollen wie das so abgeht in Berlin. Und alles, wirklich alles wird im Dialog erklärt. Die Macht der Bilder beschränkt sich auf konventionelles, bloß keine Experimente, bloß nicht vermeintlich unangenehm auffallen.
Anna Loos schreit so sehr nach Bambi oder dem Fernsehpreis, ihre Darstellung nervt nach spätestens 20 Minuten. Jeder Satz schön mit Gefuchtel und Gestiken unterlegen, als würde sie Fliegen verscheuchen. Der Rest der Besetzung agiert nicht überzeugender. Zugegeben: viel kann man aus den Figuren nicht rausholen.
Einzig Martin Brambach als Spin Doctor ist so toll übertrieben, nur leider in der falschen Serie, „Die Stadt und die Macht“ ist kein „Kir Royal“, nicht mal ein „Großer Bellheim“ und Fromm kein Wedel.
Krimipart, Politpart und das Familiendrama sind gleichermaßen unausgegoren, oberflächlich und teils zum fremdschämen.
Es bleibt nicht mal eine Ambition. Gerne würde ich schreiben, es hapert an der einen oder anderen Stelle oder es wäre zu viel des Guten, aber da ist nichts, einfach nichts, was überzeugt, was auch nur annährend Lust macht weiter zu schauen, es ist eine Qual.
Eine deutsche Serie konnte in 2015 trotz dem Mangel an oben genannte Glaubwürdigkeit oder Logik: „Weinberg“. Bei weitem passt das nicht alles, aber man spürt das Herzblut der Macher, die eine konkrete Vorstellung von ihrer absurd-spaßigen Mystery-Thriller haben und das auch konsequent umsetzen.
„Die Stadt und die Macht“ lässt Herz und Hirn vermissen.