Tale of Tales

Liebe, Tod, Vergänglichkeit. Die klassischen und großen Menschheitsthemen, die auch immer wieder Sujets aller klassischen Märchen waren, nimmt sich Matteo Garrone als Vorlage um drei Geschichten zu erzählen die miteinander nur sehr lose verbunden sind, zudem alternierend erzählt werden:
Die Königin die alles darum gibt endlich ein Kind zu gebären, der König der eine Obsession für junge Mädchen pflegt und ein weiterer Herrscher der seine Tochter an einen Oger verheiratet.

Garrone wiedersteht der Versuchung seine Bilder zu opulent auszustatten, sich zu sehr auf die Macht der Bilder zu verlassen, so bietet er zwar reichlich phantastische Figuren und Landschaften, allerdings ohne diese zu sehr auszureizen, baut diese fast nebensächlich ein, als wären sie alltägliche Erscheinungen. Sein Fokus richtet sich auf die gestörten Verhältnisse seiner Protagonisten, die Mutter die ihren Sohn zu verlieren droht, der Vater der seine Tochter schon verloren hat, diese ins Unglück stürzte, schliesslich der sexgeile König der nur an Äußerlichkeiten interessiert ist. Die moralischen Lehren bleiben zum Glück recht vage: Wenn Liebe zu erdrücken vermag, hilft am Ende sich selbst zu opfern, Vergänglichkeit lässt sich vielleicht aufschieben, aber nie aufhalten. Ohne moralischen Zeigefinger interpretiert Garrone die Märchen neu, spielt mit ihnen, baut sie aus, stellt ihnen phantastische Bilder anbei.
Am herausstechendsten bleibt die Geschichte um die Tochter einer Herrschers in Erinnerung, die sich nichts sehnlicher als einen Ehemann wünscht. Nach langem Zögern willigt der König in einen Wettbewerb ein, den schliesslich ein nicht allzuschöner Oger gewinnt.
Das Mädchen zunächst noch kindlich unsicher, reift in der kurzen Zeit mit dem Oger und der Flucht von ihm zur Frau, die am Ende den Thron besteigt. Ganz ohne männliches Anhängsel. Man muss nicht soweit gehen um als Kommentar zur Unabhängigkeit der Frau zu verstehen, doch konterkariert er das übliche Klischee der Prinzessin die gefälligst neben einem König gut auszusehen habe.

Tale of Tales bietet bei weitem nicht die Schauwerte eines Lord of the Rings oder Game of Thrones, bleibt aber weit länger im Gedächtnis, weil Garrone sich traut nicht alles zu zeigen, selbst bei einem wahrlichen Fantasyfilm dem Zuschauer viel Raum zur eigenen Imagination zu lassen.