The Dinner

Ein schönes Essay über die Verlogenheit der Bourgeoisie.
Moverman macht das im Grunde recht clever, gibt er dem Zuschauer doch eine Figur an die Hand, die als Erzähler fungiert und schon lassen wir uns einlullen und seiner Agenda folgen. So beschreibt Stan seinen Bruder Paul als karrieresüchtigen „Affen“, der, so stellt uns Moverman ihn vor, wohl wirklich das kleine Arschloch zu sein scheint.
Doch lösen sich die Fronten im Verlauf immer weiter auf, kommen immer mehr Facetten zum Vorschein um am Ende nicht nur ein Mosaik zu vervollständigen, eher eine Kugel, die kein Anfang und auch kein Ende nimmt.
Manches mag arg plakativ sein, gerade wenn Stan Kriege metaphorisiert. Inklusive Besuch der Gettyburg Gedenkstätte.
Dennoch stellt Moverman die richtigen Fragen: Was würde man selbst, gerade als politisch liberaler Mensch tun, würden die eigenen Kinder eine schreckliche Tat begehen?
Wie weit geht die eigene Moral, ist das Blut wirklich dicker als Wasser?
Und wiegen viele gute Taten, eien schreckliche auf? Wer mag das aufrechnen? Da sind wir im Grunde schon beim Spirituellen, das zum Glück hier außen vor bleibt.

Formal mag Moverman nicht ganz elegant vorgehen, die Rückblenden, ebenso wie die Montagen sind eher holprig inszeniert, mögen den einen oder anderen sogar im Fluß stören, das mag man ihm aber nachsehen und diese Formalie dem Narrativ geschuldet sehen.

Ein Treppenwitz, dass gerade am heutigen Tag die BILD-Zeitung vielen als neues Sturmgeschütz gegen Zensur und für Demokratie erscheint.