The Man in the High Castle

Was wäre wenn die Achsenmächte den zweiten Weltkrieg gewonnen hätten? In einer möglichen Realität wäre die Welt größtenteils zwischen Japan und Deutschland aufgeteilt. Das Deutsche Reich ein Hochtechnologieland, mit Raketenflugzeugen, modernsten Waffen, Berlin hätte sogar eine Magnetschwebebahn.
In diesem Konstrukt sind die ehemaligen Partner nur noch vordergründig Verbündete, die Gräben zwischen den Weltanschauungen tief, das Misstrauen groß.

Zentrales Element der Serie bilden Filmrollen, betitelt die alternative Realitäten zeigen: Stalins Weltherrschaft, den Untergang Nazideutschlands und den Aufstieg der USA. Um diese streiten sich alle Fraktionen: der Widerstand, die Nazis, die Japaner. Darüber hinaus entspinnen sich weitere  Handlungsstränge: der Putsch gegen Hitler, ein Attentat auf den japanischen Kronprinz, die natürlich alle zusammenhängen.

Man merkt der Serie die Handschrift von Showrunner Frank Spotnitz, der schon für die X-Files schrieb, an. Visuell konservativ, inhaltlich clever umgesetz und vor allem ab der zweiten Hälfte, wenn sich die Wege der Protagonisten immer öfter kreuzen, hervorragend geschrieben. Die entworfene Welt ist schlicht fantastisch, sowohl glaubwürdig, als auch beängstigend. Euthanasie, der Holocaust, die Ausrottung des afrikanischen Kontinents, oft kurz angerissen, beiläufig erwähnt, umso verstörender wirken die Sachverhalte.

Bis zur fünften Episode ist The Man in the High Castle eine gute, wenn auch nicht überragende Kriminalgeschichte, die ebenso in unserer Realität spielen könnte. Erst danach, wenn die Grenzen scheinbar ausgelotet sind und sich dann doch noch einmal verschieben, die Figuren eine neue Tiefe erreichen und endlich die Frage wie und was Realität denn überhaupt darstellt aufgeworfen wird, erreicht die Serie ihre Höhepunkte.
Schon zu Beginn werden immer wieder kleine Andeutungen eingespielt, die die kulturellen Unterscheide zwischen Japanern und Amerikanern verdeutlichen, doch erst in einer kleinen Nebenhandlung als ein Antiquitätenverkäufer zu Gast bei einem japanischen Kunden ist, wird diese eindeutig thematisiert. Auf dieser offensichtlichen Ebene wird die Frage gestellt wie sich Realitäten unterscheiden, einfache zwischenmenschliche Unterschiede münden in völlig gegensätzliche Weltanschauungen. Für die einen common sense, für das Gegenüber ein Affront.
Ein weiteres Spiel mit Wahrnehmungen bilden die Verschwörungen gerade im Nazihauptquartier, hier scheint keiner das zu sein, was er vorgibt, fast alle eint eine geheime Agenda, so wird munter drauf los intrigiert, bis sich das Hakenkreuz biegt. Und immer wieder die Filmausschnitte die das eigene Leben und Tun hinterfragen. Wie ist es möglich, dass solche Filme existieren? Wie real sind diese, welche Auswirkungen haben sie?
Also nichts zu beanstanden? Doch: Alexa Davalos erhält den Keanu Reeves Neo-Award für ausdrucksloses Schauspiel. Sehr schlimm.
Wird aber durch die hervorragende Performance Rufus Sewells als  Obergruppenführer Smith mehr als ausgeglichen.
The Man in the High Castle ist nicht nur eine der besten Serie die derzeit läuft, sie ist ein der wenigen die das Spiel mit den Ebenen beherrscht, die endlich mal wieder mit Subtext arbeite und dem Zuschauer Aufmerksamkeit abverlangt.