You are wanted

Mal versucht, außer acht zu lassen, dass Schweighöfer die komplette kreative Kontrolle an sich gerissen hat, die lustigen Memes und Verrisse ebenso verdrängt, also weitestgehend unvoreingenommen in die Serie eingestiegen:
Es ist wahrlich eine Vollkatastrophe.

Geht los beim Look, der so bewusst düster gehalten ist, dagegen wirkt Nordkoera wie Disneyland.
Tageslicht wird ja überbewertet, ebenso ausreichende Beleuchtung in innenräumen, Atmosphäre per Holzhammer.
Die Figuren gehen nicht ein Jota über billige Stereotypen hinaus, das ganze Setting mit Überwachungskameras, Nachrichtensprechern, Aktivisten, vermeintlichen Bösewichten ist nicht nur nah an der Grenze zur Lächerlichkeit, die sind einen Schritt weiter.
Da sitzt der Matze in seiner Küche, kippt sich ne Red Bull rein, rauft sich durch die Haare, jongliert multitaskend mit Stift, Handy und Tablet.
Oder die Hacker, entschuldigung, Hacktivisten sitzen nicht einfach nur an Rechnern, das Ding mutet an wie das Innere eines Borgschiffes (natürlich wurde das, wo auch sonst, im C-Base) gedreht.
Wenn schon Klischee, dann richtig.
Der Vergleich zu Mr. Robot als Vorbild drängt sich zwar auf, läuft aber ins Leere, ist diese Serie zwar auch kein Ruhmesblatt für Amazon, doch kann sie zumindest mit ein bisschen Witz und Ideen aufwarten.
Schweighöfers Serie erinnert eher an eine zu lange Version von „Im Netz“ mit Caroline Peters, die ebenso peinlich, schlecht geschrieben und auch umgesetzt wurde.

Man könnte ja über all diese Fehler hinwegsehen, wäre das Ding wenigstens spannend. Aber nicht mal das. Schweighöfers Spiel ist so dermaßen stocksteif und oberflächlich, die einzige emotionale Bindung zu seiner Figur ist Hass.
Gleiches gilt leider auch für den Rest: Die Lara steht halt, wie immer in der Gegend rum, was Katrin Bauerfeind da zu suchen hat, weiß auch nur das Casting und Edin Hasanovic ist komplett unterfordert.
Diese internationalen Standards von denen Amazon spricht, können zumindest keine amerikanischen sein.
Eine Verschwendung von Zeit und Geld.